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    Posted on Juni 9th, 2010

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    An Frohenleichnam waren ich und die Hälfte der Münchner Bevölkerung im Phönix in Ottobrunn, dem vermutlich lautesten Freizeitbad Bayerns und der Welt. Hier mein Urteil. Angesichts des Feiertages war schon an der Kasse sehr viel los (was aber die eine von zwei Kassiererinnen nicht etwa davon abgehalten hat sich ausführlich mit einem Bekannten über den Schullandheimbesuch ihrer Sprösslinge zu unterhalten – aber gut, wer hätte die einmalige Gelegenheit nicht genutzt?), doch war noch nicht absehbar, wie voll es tatsächlich sein würde.

    Wer das berühmte Foto eines japanischen Freibads auf dem Dach eines Wolkenkratzers kennt, auf dem kein Wasser mehr sichtbar ist, weil die Menschen im Becken dicht an dicht gedrängt stehen, hat eine ungefähre (wenn auch zugegebenermaßen leicht übertriebene) Vorstellung meiner jüngsten Schwimmbad-Erfahrung. Dazu kommt, dass die Schwimmhalle leider so gebaut ist, dass sich der Schall exponentiell auszubreiten und von der Decke zurück geschleudert zu werden scheint – soll heißen: nach einer halben Stunde war ich quasi taub. Wofür weder die Schwimmbad-Bauer noch Betreiber etwas können, ist, dass es einfach per se anstrengend ist mit zwei mittelkleinen Kindern im Schwimmbad zu sein. Mindestens 4 Aufgaben gilt es dabei zu bewältigen.

    Prio 1: Immer im Auge haben, dass sie trotz Seepferdchen nicht von größeren Kindern ertränkt werden.
    Prio 2: Aufpassen, dass sie bei ihren Darbietungen keine kleineren Kinder ertränken oder anderen Badegästen ihre kleine Füße ins Gesicht strecken.
    Prio 3: Erklären, warum man nicht aus Spaß um Hilfe rufen darf und einen adäquaten Geheim-Ausruf aushandeln, damit sie trotzdem weiter ertrinken spielen können.
    Prio 4: Für ihre Darbietungen auch dann noch Beifall simulieren, wenn aus spektakulären Unterwasserrollen nur noch ein mattes “Schau mal, ich kann einfach so den Arm ausstreckend im Wasser sein” geworden ist, und zwar für zwei Kinder auf einmal.

    Nach einer Stunde erfolgreicher Bewältigung erfolgte dann die Ablösung durch den anderen erwachsenen Begleiter und ich durfte in die Saunalandschaft, die mir plötzlich wie der friedlichste Ort der Welt vorkam. Aus dem Schwimmbereich führt eine schwere Tür in den überaus geschmackvollen Ruhebereich. Räume verschiedener Ruhezwecke und damit verbundener Lautstärke-Ermahnungen sind eingerichtet im Stil eines asiatischen SPAs und laden zum Entspannen nach den unterschiedlichen Wellness-Aktivitäten ein. Von mir an diesem Tag ausgespart wurde der Bereich mit Solebecken, Dampfbädern und Sprudelbädern. Dann wurde es erst mal tückisch, denn obwohl ich durch die Glastüren glückliche Gestalten in Bademänteln lustwandeln sehen konnte, erschloss es sich mir erst nachdem ich mehrere Male falsche Türen geöffnet habe, dass man nur über den Außenbereich zu den Indoor-Saunen gelangen kann.

    Auch der Außenbereich verdient mein vollstes Lob angesichts der Gestaltung: kleine Hütten auf grünen Wiesen beherbergen Finnische Heu-Saunen und Sanarien, ein großes, dunkelblau gefliestes Nacktbade-Becken von Liegestühlen und Strandkörben gesäumt bildet das Zentrum der Saunalandschaft. Da ich meine Flip Flops vergessen hatte und es nicht sehr warm war musste ich auch diesen Part überspringen und mich den Indoor-Saunen zuwenden. Hier war es zwar schon wieder deutlich belebter, doch die geräumigen, aromatisierten Saunen konnten mich über den Geräusch-Pegel der sich am besten durch reges Gespräch erholenden Bürger hinwegtrösten. Auch hier besteht sowohl die Möglichkeit nach dem Hitzebad in einem echten Ruheraum mit Rede-Verbot abzutauchen. Fazit für den Wellness-Bereicht: abgesehen von den bewährt unterdurchschnittlich ansehnlichen Körper der (anderen) Besucher ein sehr ansprechendes Erlebnis, dass ich gerne mehrere Stunden genossen hätte. Ging aber nicht, da bereits Commitment mit kleinen Schwestern zur gemeinsamen Benutzung der Wasserrutschen eingegangen.

    Die Wasserrutschen sind ein weiterer Pluspunkt des Schwimmbads. Es gibt eine für kleinere Kinder und eine für fortgeschrittene Rutschen-Benutzer, wobei die erste auch nach dem 7. Durchgang nicht langweilig wird und die zweite wirklich für einen kurzen Moment den Magen hüpfen lässt. Daumen nach oben für die Rutschen.

    Zum Abschluss noch ein kleines Minus: es gibt keinen Bereich, in dem man legal mitgebrachtes Essen verzehren darf. Wenn man bedenkt dass der Eintritt für eine vierköpfige Familie schlappe 44€ kostet sollte es meiner Meinung nach möglich sein, auf den Verzehr des bekannterweise deliziösem Schwimmbadessens verzichten zu können.

    Und noch eine letzte abschließende Frage an die Schwimmbad-Betreiber: was spricht eigentlich dafür, die in allen M-Bädern bewährte “Eintrittskarte in Spind dann Schlüsselarmband”-Technologie gegen eine nur bei jedem 3. Spind funktionierende “2,5cm großer Chip in billige Plastikschloß-Konstruktion dann evtl., wenn noch vorhanden, Schlüsselarmband oder auch nicht” Lösung einzutauschen?

    This entry was posted on Mittwoch, Juni 9th, 2010 at 14:25 and is filed under Aktuelles. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.
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